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Pressemitteilung AVZ Nr. 7 / 30. Oktober 2018

Es war einmal,

so fangen alle Märchen immer an. Das moderne Märchen, das der Erzähler heute vorstellt und eigentlich viele Mitwirkende hat, aber in der heutigen Kurzform soll nur von drei wackeren Gesellen berichtet werden. Felix Wackelzahn , Kaspar Handwergikus und Bruno Will-alles.

 

Viele Jahre lebten die drei ungleichen Kumpane zufrieden, ruhig und arbeitsam im Lande „Regularis“. Bis eines Tages Ritter „Kapitalis“ in die Burg von „Bruno Will-alles“ einritt und ihm den Wunsch von „Felix Wackelzahn“ nach mehr Gulden überbrachte. Die Knappen von „Bruno Will-alles“ schwärmten fortan in alle Provinzen vom Land „Regularis “aus, um die frohe Kunde vom Zusatz Gulden für alle Felix Wackelzähne zu verkünden.

 

Schließlich schrieben alle stark erbosten Brüder von „Kaspar Handwergikus“ wie wild und von Sinnen, böse Drohungen in das bekannte und weit verbreitete „Buch der Gesichter“. Aber die vielen Felix Wackelzähne und Bruno Will-alles waren durch nichts zu beeindrucken!

 

An dieser Stelle endet der Exkurs in die Märchen- und Fantasiewelten und der Klartext  beginnt.

 

 

 

 

Industrie- und Handelsunternehmen versus gewerbliche Zahntechnik, am Beispiel Straumann.

Alle Zahntechniker/innen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind gelinde gesagt aufgebracht und wütend angesichts der sich deutlich abzeichnenden Entwicklungen im Bereich der CAD-CAM gesteuerten Zahnersatzfertigung. Glauben denn die Protagonisten der Industrie und des Handels tatsächlich, dass Zahntechniker komatös am Boden liegend, diese Form des unfairen und unmoralischen Wettbewerbs hinnehmen?

Mit der seit geraumer Zeit verfolgten Marktstrategie des dentalen Direktmarketings oder auch Chairside Versorgung mit zahntechnischen Produkten und den damit einhergehenden blumigen Versprechen der Honorarverbesserung für Zahnärzte ,ist aus Sicht des Arbeitgeberverbandes  die rote Linie überschritten.

Die publizierten Begründungen für die Notwendigkeit industrieller Dentallabore mag für den einen oder anderen geneigten Leser plausibel sein, für den Arbeitgeber Verband Zahntechnik AVZ und seine Kooperationspartner, die Innungen Nordbayern /Rheinlandpfalz sind sie das nicht.

 

Das einstmals „faire“ Verhalten des Marktteilnehmers Dental-Industrie ist ebenso zu bewerten wie das zurzeit stattfindende Verhalten der Automobil-Industrie mit ihren Kunden, den Besitzern eines Diesel Fahrzeuges. Überheblich arrogant und uneinsichtig. Was als Markttrend bezeichnet wird ist nichts anderes als ein absoluter Verdrängungswettbewerb zu Lasten von top ausgebildeten Zahntechnikern/innen.

Der tatsächliche Grund einer solchen Entscheidung wird geflissentlich verschwiegen. Ebenso wie in Deutschland darf auch in der Schweiz ein Zahnarzt die Auslagen für die Rechnungen des gewerblichen Dentallabors nicht zusätzlich steigern. Das sieht bei den Leistungen des Praxislabors nicht anders aus, wird aber (sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz) von manchen Zahnärzten anders gehandhabt. Preiswert zugekauftes Halbfertigzeug wird in der Praxis gefinisht oder auch nicht, wer will das überhaupt prüfen? und dem Patienten als individuelle zahntechnische Handwerksleistung hochpreisig berechnet.

 

Diese Geschäftsmodelle „funktionieren“ mit gefrästen Restaurationen nach optoelektronischer Abformung völlig reibungslos, wie wir seit einigen Jahren in Deutschland beobachten müssen. Wenn wir den Fokus dabei auf den europäischen Zahnersatzmarkt richten, gefährdet dieses unfaire Wettbewerbsverhalten Europaweit rund zweihundertvierzigtausend Arbeitsplätze von Zahntechnikern und Zahntechnikerinnen.

Es dürfte Sand in die Augen gestreut sein, wenn man den Bekundungen der Industrie Glauben schenkte es ginge nur um marginale Veredelungsschritte im festsitzenden Zahnersatz. Nein es geht ausschließlich darum den direkten Workflow zwischen industriellen Anbietern zur Zahnärzteschaft zu implementieren. Natürlich könnte die Zahnarztpraxis den intraoralen Scanner auch mit einem gewerblichen Labor vernetzen. Das es angeblich laut Handel und Industrie in der Schweiz oder Österreich zu wenige entsprechend ausgerüstete zahntechnische Labore gibt, ist nicht zutreffend.

 

Die Praxis bekäme funktionell und ästhetisch fertiggestellt auf NC-Maschinen gefräste Restaurationen. Aber sie bekämen auch eine Rechnung des gewerblichen Labors, die vom Zahnarzt, wie oben bereits ausgeführt, nicht gesteigert werden darf. Da ist nun aber kein Zusatzgewinn drin. Die Vernetzung mit einem industriellen Labor ermöglicht nun aber die Berechnung der Lieferung halbfertiger Fräsprodukte in die Praxis, deren (fakultative) Fertigstellung der Zahnarzt sich „Vergolden“ lassen kann. All diese Marketingstrategien zwischen Zahnärzten und der Industrie vertiefen die Intransparenz, Individualität und zerstören die bestehende gute Zusammenarbeit vieler Zahntechnikermeister und deren Mitarbeiter, im Zusammenwirken mit ihren Zahnärzten bei der individuellen Versorgung mit Zahnersatz.

 

Bei allem  Verständnis fehlt der Glaube, dass die Industrie- oder Handelsunternehmen ihr Engagement soweit ausdehnen auch die Versorgung mit Reparaturen, Unterfütterungen oder auch technischer Unterstützung wie z.B. das Auswählen der individuellen Zahnfarbe des Patienten täglich am Stuhl der Zahnärzte zu erbringen.

Die gesamt Palette zahntechnischer Leistungen dürfte im Auge des Betrachters nicht unbedingt zu einer Portfolio-Leistung der Industrie passen.

 

Der Arbeitgeber Verband Zahntechnik  AVZ beurteilt daher die Entscheidung der Firma Straumann als nicht förderlich, wenn nicht gar als unseriöse Unterstützung, einer nicht korrekten Rechnungslegung zahntechnischer Leistungen aus dem Praxislabor zu Gunsten des Zahnarztes, aber auch zum eigenen Vorteil, fördern die so erzielten Gewinne  doch nicht nur die Abhängigkeit sondern auch den Absatz der Industrie. Wissentlich das diese Entwicklungen nur bedingt durch Zahntechniker beeinflusst werden können sind wir dennoch der Meinung das ein Schweigen und Nichtstun schädlicher für den Beruf des Zahntechnikers ist als endlich deutlich Flagge zu zeigen und damit auch die rote Karte hoch zu halten.

 

Der AVZ und seine kooperierenden Verbände haben sich bereits deutlich an die Adresse der Firma Straumann positioniert und vertiefen und verstärken aktuell die Kontakte zu den europäischen Kollegen in den nationalen Verbänden um eine gemeinsame Positionierung auf europäischer Ebene vorzunehmen. Die Kontaktaufnahme und Gespräche zu den politisch Verantwortlichen im Bund und auf europäischer Ebene sind aufgenommen und werden gemeinsam mit den jeweiligen verantwortlichen Strukturen unseres Berufes wahrgenommen.

 

Ansprechpartner: Präsident Manfred Heckens, Mobil: 0151 – 27 651 076

 

AVZ – Arbeitgeberverband Zahntechnik e. V.

Unter den Linden 10

10117 Berlin

 

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