Redaktioneller Beitrag: Zahntechnik Zeitung ZT April 2017

Kritik an „kleiner“ CAD/CAMChairside-Technik

Zahntechnikermeister, die mit offenen Augen und Ohren die diesjährige Internationale Dental-Schau (IDS) in Köln besuchten, mussten zunehmend aggressive Marktpositionierungen und -einführungen von „Chairside“-

Systemen konstatieren.Industrielle Hersteller und Softwareentwickler von CAD/CAM-Systemen sehen offenbar große Marktpotenziale bei kleinen Einheiten, mit denen „chairside“ ohne die Mitwirkung von Zahntechnikern

Vollkeramikkronen, dreigliedrige Brücken und Inlays hergestellt werden können. Die international agierenden Hersteller wollen Dentallaborinhabern allerdings nach wie vor die großen Einheiten sowie die Materialien zur Herstellung von gefrästen Kronen etc. verkaufen. Sie nehmen damit bewusst in Kauf, dass durch die „Chairside“- Fertigung in den Praxen der Zahnärzte die dafür notwendigen Einnahmen der Dentallabore fehlen.

 

Was Mitte der 1980er-Jahre bei einer Vorstellung von Francois Duret in einem Düsseldorfer Hotel für Aufregung sorgte, hat heute eine Dimension erreicht, die das Zahntechniker-Handwerk nicht nur verändern, sondern in seinen Grundfesten erschüttern könnte. Die Frage, ob der digitale Workflow in der Prothetik für Zahntechniker noch einen Handlungsspielraum lässt, wird seit dem Ende der IDS 2017 in den sozialen Medien im Internet mit neuer, zum Teil hoch emotionaler Intensität diskutiert. Ein zusätzlicher Aufreger ist in diesem Zusammenhang das Angebot eines der größten Materialzulieferer. Zahnarzthelferinnen sollen in 1,5 Tagen zur zertifizierten CERECAssistenz weitergebildet werden, die mit dem System nahezu alle Aufgaben im zahnärztlichen Workflow – Vorbereitung des Systems, Eingabe von Patientendaten, die digitale Abformung, das Handling der Kamera, die Optimierung des digitalen Abdrucks, das Design von lnlay, Onlay, Krone etc. in der Software, Fertigung in der Schleifeinheit, die Vorbereitung der Zahnrestauration zum Einsetzensowie die Finalisierung der Restauration – chairside übernehmen soll. Es ist in diesem Zusammenhang festzuhalten, dass die so entstehenden „ChairsideProdukte“ durchweg keine Kassenleistungen sind, sondern nach GOZ und BEB zu berechnende Versorgungen darstellen. Das „merkantile“ Ziel der Zahnarzt-Industrie-Bindung ist für jedermann offensichtlich. Die Zahnarztpraxis wird zum „Mehrwert-Verkäufer“ der Industrie, die durch Wohlfühlargumente „Ihre neue Krone innerhalb einer Stunde“ ihre Absätze steigert und ihre Gewinne maximiert.

 

Da fragt sich mancher Zahntechniker mit mehrjährigen Ausbildung, wie er sich motivieren soll, damit sie oder er mit einer zertifizierten „ChairsideAssistentin“, die ohne eine vergleichbare zahntechnische Ausbildung operiert,konkurrieren kann. Der Spruch „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“ beschreibt in schöner Perversion, was zurzeit geschieht. Hightech verdrängt qualifizierte Zahntechniker, die Zahnersatz für Menschen unter dem Einsatz ihres Wissens, Könnens und ihrer Qualifikationen fertigen. Und die zahnärztlichen „Kontrolleure“ kontrollieren letztendlich im kompletten Workflow den Bedarf, die Nachfrage, das Angebot, die Produktion, das Produkt, die Produzentin und den Preis. Der AVZ vertritt nachdrücklich die Auffassung, dass der Produktionsort für Zahnersatz das eingetragene, meistergeführte, gewerbliche Labor und nicht die zahnärztliche Praxis, das Praxislabor oder das Industrieunternehmen sein muss. Die im AVZ zusammengeschlossenen gewerblichen Laboratorien sind davon überzeugt, dass selbst die Dentalindustrie und der Dentalhandel ohne den zahntechnischen Unternehmer nie die heute angebotene Qualität ihrer Produkte erreicht hätten. Stets waren es Zahntechniker, die maßgeblich an Entwicklungen und Erfindungen beteiligt waren. Über viele Jahre wurden großflächige Feldversuche von Materialien oder Geräten der Industrie stets von unterstützenden zahntechnischen Laboren durchgeführt. Aus dieser Perspektive wäre die Industrie gut beraten, den professionellen Zahntechniker-meister und Unternehmer auch zukünftig nicht aus dem Auge zu verlieren. Unser Grundsatz im AVZ ist, dass Zahnersatz nur von modernen und bestens ausgebildeten Menschen mit Erfahrung gefertigt werden soll. Nur konsequente Arbeitsteilung von Zahnarzt und Labor garantiert Transparenz und kontrollierte Qualität zum Wohle der Patienten.

 

Quelle: AVZ – Arbeitgeberverband Zahntechnik e.V.

 

 

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